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Heißausbildung 2015

Feuerwehren der Verbandsgemeinde Rengsdorf üben im Brandcontainer   


Am 28. und 29. August übten die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Rengsdorf im Brandcontainer. Die Atemschutzgeräteträger konnten realitätsnah üben, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt. Grenzen und Gefahren wurden aufgezeigt und das Vertrauen in die Schutzkleidung gestärkt.  Für das Atemschutzteam war dies ein sehr arbeitsreiches Wochenende.  

 
Anhausen. Von den rund 100 ausgebildeten Atemschutzgeräteträgern in der Verbandsgemeinde Rengsdorf konnten 74 an dem Wochenende im Brandcontainer üben.   
Glücklicherweise sind ausgedehnte Zimmer- oder Gebäudebrände nicht häufig. Gerade weil jedoch ein Innenangriff immer eine große körperliche und psychische Belastung für die Feuerwehrfrauen und -männer darstellt, sind realitätsnahe Übungen unabdingbar. Zur eignen Sicherheit ist es wichtig, die Grenzen und Gefahren genau zu kennen und abschätzen zu können.  Bereits zum dritten Mal ermöglicht die Verbandsgemeinde Rengsdorf daher ihren Atemschutzgeräteträgern diese Heißausbildung.   


Einige von ihnen waren am Morgen des 28. August noch selbst bei einem Brand in Oberraden im Innenangriff im Einsatz gewesen. Für das Atemschutzteam ein zusätzlicher Arbeitsaufwand, denn die 15 eingesetzten Atemschutzgeräte vom Brand in Oberraden mussten ebenfalls gereinigt, geprüft und wieder einsatzbereit gemacht werden.   


Die Heißausbildung  


Bei mittleren Raumtemperaturen von 300 bis 400 Grad C und bis zu 700 Grad C unter der Decke lernen die Feuerwehrfrauen und -männer bei diversen Simulation, mit den körperlichen und psychischen Belastungen, die im Einsatz vorherrschen können, umzugehen. Durch den minimalen Wasserverbrauch beim richtigen Umgang mit dem Strahlrohr kann somit ein Wasserschaden im Realeinsatz minimiert, wenn nicht sogar vermieden werden. Die Einsatzkräfte erleben die Belastung durch die Hitze so realitätsnah wie möglich. Auch die Grenzen der Schutzkleidung werden aufgezeigt, um ein zu nahes Vorgehen im Ernstfall zu vermeiden.   


Bevor es in den Container geht, kontrollieren sich die Feuerwehrfrauen und -männer gegenseitig auf nicht abgedeckte Hautstellen. Im Innenangriff können diese schnell zu Verbrennungen oder Verbrühungen mit dem heißen Wasserdampf führen. Dann ging es vom Dach des Containers eine Treppe zu einem simulierten Kellerbrand hinab. Am unteren Treppenabsatz ist bereits die erste Herausforderung zu meistern: Öffnung der Tür und Rauchgaskühlung. Dies ist nur in Absprache und Teamarbeit möglich. Während der Truppführer die Tür öffnet, muss der Strahlrohrführer mehrere Wasserstöße in die Rauchschicht unter der Decke geben. Sofort wird die Tür wieder geschlossen. Nach dreimaliger Wiederholung der Rauchgaskühlung wird in den Brandraum vorgegangen.   
Bevor es soweit war, musste geklärt sein, wie der Trupp vorgeht, wie Türen geöffnet werden, wer auf welcher Seite zu stehen hat, damit man sich nicht im Wege ist. Gefährlich ist es auch den Partner oder sich selbst nass zu spritzen, denn durch die hohe Hitze kommt es ganz schnell zu Verbrühungen.   
Weitere Herausforderungen für die Teilnehmer waren: ein brennendes Fass muss gelöscht werden, ohne die brennende Flüssigkeit im Raum zu verteilen. Eine brennende Druckgasflasche muss gekühlt und verschlossen werden. Beim Öffnen der Motorhaube bei einem PKW, bei dem der Motor brennt, schlagen kurzzeitig Flammen gegen den Körper. Auch dies wurde simuliert, so lernen die Einsatzkräfte ihrer Schutzkleidung zu vertrauen.   


„Höchste Vorsicht ist geboten, wenn die Wehrleute bei Einsätzen in Gebäude oder Hallen gehen. Oft wissen sie nicht, was sie erwartet, deshalb ist es ganz wichtig diese Situationen so praxisnah wie möglich zu trainieren“, erläuterte Pressesprecher Matthias Lemgen. Dass der Einsatz anstrengend ist, konnte jeder nachdem Einsatz der Kameraden im Brandcontainer sehen. Wurde die Schutzkleidung, Atemmaske und Helm abgelegt, kamen hochrote Gesichter zum Vorschein. T-Shirts unter der Kleidung waren völlig durchgeschwitzt. Ein Einsatz der alles abverlangt.  


Im Ernstfall kann jeder Atemschutzträger nur einmal in den Einsatz geschickt werden, so hoch ist die körperliche Belastung. Ein zweiter Einsatz ist nicht möglich und kann auf keinen Fall verantwortet werden. Wehrleiter Peter Schäfer schaute ebenfalls vorbei und erklärte: „Wir trainieren hier das sichere Vorgehen. Die Kameraden müssen lernen, wie weit sie ihrer Schutzkleidung vertrauen können. Sein Dank gilt, neben den Teilnehmern die die Ausbildung in ihrer Freizeit absolvieren, den Personen, die im Hintergrund diese Ausbildung erst ermöglichen und etliche Stunden dafür aufbringen.“  


Arbeiten im Hintergrund – das Atemschutzteam   


Arbeitsreich waren die Tage für die vier Gerätewarte der Verbandsgemeinde, die für den Atemschutz zuständig sind. Etliche der vorbereiteten Flaschen für das Training waren am Freitag in Oberraden im Einsatz. Leiter der Truppe ist Helmut Seuser. Er wird unterstützt von Herbert Siegel und Dominik und Stephan Henn. Das Team hat in diesem Jahr bereits über 500 Stunden nur für die Wartung der Atemschutzgeräte und Füllung der Flaschen aufgewandt. Heruntergebrochen sind es für jeden der Vier ganze 16 normale Arbeitstage.  


Text: Wolfgang Tischler & Matthias Lemgen

Bilder: Matthias Lemgen

Sie arbeiten im Hintergrund, das Atemschutzteam. V.l.n.r: Herbert Siegel, Helmut Seuser, Stephan Henn und Dominik Henn.

 

 

 

Während der Truppmann die Gasflasche kühlt schließt der Truppführer das Ventil.

 

Beim Öffnen der Motorhaube schlagen Flammen gegen die Schutzkleidung.

Sonntag, 16. Dezember 2018

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